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 Wieder in Germering:

 Kinderärztin Dr. Eva Umlauf, Autorin und Auschwitz-Überlebende

 im Amadeus Saal der Stadthalle

 von Winfried Gessner

"Ich erkenne meine Kinder kaum wieder, sie sind heute 46 Jahre alt oder älter", sagte Frau Dr. Umlauf, als sie einer Gruppe Mütter im Publikum die Hände schüttelte, die damals mit ihren Kindern in ihre Germeringer Praxis kamen. Sie ist wieder da, an diesem 5. November 2022, eine Frau die Herzlichkeit und Güte ausstrahlt, genau wie vor bald 50 Jahren, als man sie als Kinderärztin aufsuchte, ohne ihr Schicksal zu kennen. Diesen dunklen Lebensabschnitt ihren Germeringern näher zu bringen war das Ziel der Konzertlesung im Amadeussaal der Stadthalle. Doch bevor Frau
Dr. Umlauf Ihre Lesung begann, stellte Bruno Lichtinger als Moderator des Abends die Akteure des musikalischen Programms vor: Das Duo KlangZeit, Marie-Josefin Melchior, Geige und Johann Zeller, Akkordeon sowie das Ensemble Cantus Gaudium, das sich aus Mitgliedern der Chorgemeinschaft Unterpfaffenhofen-Germering formierte und von Caroline Lichtinger-von Stein angeleitet wird. Mit 'Caspars Reise' eröffnete KlangZeit den Abend. Fröhliche, flotte Passagen im Wechsel mit melancholischem, nachdenkliches zum Ende – eine vertonte Lebensreise. Cantus Gaudium knüpfte mit Tumbalalaika, einem Volks und Liebeslied in jiddischer Sprache daran an. Die tausendjährige Jiddische Sprache, aus dem Deutschen hervorgegangen, ist ein lebendiger Beweis der engen Verbindung jüdischer und deutscher Kultur.

Als das Mikrofon an Frau Dr. Umlauf ging, schilderte sie im Gespräch mit Bruno Lichtinger ihren Weg zur Buchautorin.
Die Geburt dreier Kinder, die Arztpraxis, immer wieder wurde die Arbeit an ihrer Autobiografie begonnen und aufgeschoben, bis 2014 ein Herzinfarkt sie zwang sich endlich ihrer eigenen Biografie zu zuwenden. Es folgten mehrjährige Recherchen in Europa und Israel bis die fast 300 Seiten Erinnerungen gedruckt vorlagen. Zu Beginn ihrer Lesung trug Frau Dr. Umlauf ein Gedicht vor, das der tschechische Dichter Jan Karsai, ein Freund, für sie verfasst hatte.

 

Das Zeugnis – so lautet der Titel des Gedichts, führt in die verstörende Realität eines zweijährigen Kindes, das aus dem Arbeitslager Nowaky nach Auschwitz deportiert wird, beschwört Bilder sinnloser Gewalt, spricht vom Durchgangslager zur Hölle und gipfelt in den Zeilen "die Nummer an deinem Unterarm ist blau wie deine Augen, wie der stumme Himmel über Nowaky". Diesen Zeilen ist auch der Buchtitel ihrer Autobiografie entnommen. Stille und tiefe Betroffenheit nach dem Gedichtvortrag. Mit "Il Postino", eine Weise voller Melancholie und auch Lebenskraft, verschaffte das Duo Klangzeit dem Publikum eine Atempause. "El Haderech" (Auf den Weg), ein hebräisches Reisegebet, vorgetragen von Cantus Gaudium, besingt den Lebensweg des Menschen der schließlich vor dem Himmelstor enden wird, wie es im Text heißt.

 

Die Geburt

Im folgenden Gespräch mit Bruno Lichtinger schilderte Frau Dr. Umlauf die Umstände im Arbeitslager Nowaky die ihren Eltern ein Minimum an Privatleben gewährten und trug einen Text vor der von ihrer Geburt erzählt, wie es ihre Mutter und deren Freundin überlieferte. Der Tag der Geburt, der 19. Dezember 1942, war ein bitterkalter Tag. Das heiße Wasser, das eine Hebamme brachte, gefror im unbeheizten Raum binnen Kurzem. Doch verlief die Geburt ohne Komplikationen und erfüllte die Frauen mit Stolz, als sie den gesunden, rosigen Säugling sahen, geboren in einem Arbeitslager für Juden. Die Mutter nannte ihr Kind Eva-Maria, Eva, hebräisch Chava die lebensspendende und Maria die nach christlichem Glauben den Erlöser gebar. Der Lagerarzt Jakob Spira gab die Geburt des ersten Kindes im jüdischen Zwangsarbeiterlager bekannt, für alle Insassen ein Zeichen der Hoffnung und dankte nach altem Brauch Gott für das neue Leben.

Frau Dr. Umlauf: "Spira hat dem Leben geholfen, weil er wusste, dass das Leben mehr ist als Gefängnis und Todesdrohung, weil er glaubte, dass es Gottes Werk ist."

Mit Nenas Pop Song "Wunder geschehen" griff Cantus Gaudium das Thema des Wunders einer Geburt unter höchst widrigen Umständen auf. Nena brachte ihr Kind entgegen negativer ärztlicher Prognosen lebend zur Welt: Wunder geschehen, ich hab's gesehen, wie es im Refrain des Songs heißt. KlangZeit fuhr mit "Klezmeron" fort, fröhlich, beschwingt, die Geige trillerte, jubilierte, wie es sich zur Feier eines neugeborenen Lebens gehört. "Du warst ein Zeichen des Lebens in einer Zeit der Verfolgung und des Todes", zitierte Frau Dr. Umlauf ihre Mutter. Den Umstand das KZ überlebt zu haben verdankten sie vor allem einer Tatsache: "Wir kamen zu spät" und schilderte die Deportation vom Lager Nowaky nach Auschwitz. Der Zug blieb auf der Strecke liegen, Himmler hatte die Demontage der Krematorien angeordnet während die Rote Armee stetig näher rückte. Die Aufnahme in das Lager Birkenau, eine entwürdigende, unmenschliche Prozedur: Ablegen der Kleider, Kontrolle sämtlicher Körperöffnungen, Rasur aller Körperbehaarung, Einkleidung in Lumpen und schließlich die Registrierung, die Tätowierung.

 

Tätowierung im KZ

Die Mutter hielt ihr Kind auf dem Arm, als ein Mithäftling ihr die Nummer A-26958 einbrannte. Das Kind lief blau an, hörte auf zu atmen wurde ohnmächtig. Ein respiratorischer Affektkrampf, erläuterte die Kinderärztin Dr. Umlauf. Die Nummer auf ihren Unterarm wollte Frau Dr. Umlauf nie ablegen, besonders die Ziffernfolge sei für sie bedeutsam: Ihre Neun folgt auf die Acht ihrer Mutter, ein Auftrag Zeugnis abzulegen über ihre gemeinsame Geschichte.

In einer weiteren Gesprächsbegegnung mit Bruno Lichtinger berichtete Frau Dr. Umlauf über ihre Zeit im KZ. Bruno Lichtingers sensiblen Gesprächsführung und Einfühlungsvermögen ist es zu verdanken, dass diese furchtbare Zeit zwischen Leben und Tod nicht in glatten Interviews abgehandelt wurde, sondern Raum für Begegnungen von Mensch zu Mensch entstand, fast wie zwischen Freunden . Von der Einlieferung ins KZ Auschwitz bis zur Befreiung durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 hatte sie lebensbedrohliche Krankheiten zu überstehen: Keuchhusten, Lungenentzündung, Rippenfellentzündung, berichtete Frau Dr. Umlauf, wie sie später in ihrem Krankenblatt, angelegt vom jüdischen Lagerarzt, nachlesen konnte. Auch nach der Befreiung konnten sie das Lager nicht verlassen, es herrschte ja noch Krieg. Dort kam im April ihre jüngere Schwester zur Welt. Es herrschte Hunger im Lager und doch kam die Hoffnung auf, dass sich alles zum Besseren wenden würde. Mit "Soleil levant", anschmiegsam, verträumt, drückte KlangZeit die zarte Stimmung des allmählichen Neubeginns aus. Ilse Webers "Wiegala", ein Wiegenlied voller Bilder der Ruhe und des Friedens, das die Gefühle jeder Mutter für ihr Kind besingt, interpretierte Cantus Gaudium ergreifend als Zeugnis unzerstörbarer Mutterliebe, gleich unter welchen Umständen. Die Dichterin und Komponistin hatte dieses Lied für ihren Sohn geschrieben, sie starb am 6. Oktober 1944 in einer Gaskammer des KZ Auschwitz-Birkenau. Sie kam nur einen Monat früher als wir in Auschwitz an, hob Frau Dr. Umlauf hervor. Während ihr Vater nach einem der gefürchteten Todesmärsche in Melk an einer Blutvergiftung verstarb, überlebte die Mutter mit ihren beiden Töchtern das KZ. Zurück in der Slowakei erwarb sie die Bildungsabschlüsse um als Grundschullehrerin unterrichten zu können, ihre beiden Töchter studierten in Bratislava Medizin. In Bratislava lernte Frau Dr. Umlauf auch ihren Mann kennen, dem sie nach der Heirat nach Deutschland folgte und der nach fünfjähriger Ehe an den Folgen eines Unfalls verstarb. Schon in den 1990er Jahren habe sie den Gedanken gespielt ihr Leben aufzuschreiben, berichtete Frau Dr. Umlauf. Erst die Geburt ihres Sohnes Julian, die Ängste, Alpträume in der Schwangerschaft zuvor zeigten ihr, dass ihre Vergangenheit, dass Auschwitz als Gefühlserbschaft stets präsent war, angenommen und verarbeitet werden musste.

"If ye love me", eine Motette des englischen Komponisten Thomas Tallis (16. Jhd.), vertonte Trostworte Jesu an seine Jünger, und Neceh, ein rumänisches Volkslied von KlangZeit interpretiert, gewährten vor dem Schlusswort von Frau
Dr. Umlauf eine Pause.

 

Gefühlserbschaften

In ihren Schlussworten drückte Frau Dr. Umlauf den Wunsch aus, dass der blinden Weitergabe einer unsäglichen Last persönlichen Leids, Gefühlserbschaften wie sie es nennt, die von Generation zu Generation weitervererbt werden, ein Ende gesetzt wird. Dies geschieht indem das emotionale Erbe der Opfer, aber auch der Täter angenommen und bewusst bearbeitet wird.

Den musikalischen Schlusspunkt setzen KlangZeit mit "La Pleine Lune" und Cantus Gaudium mit "Free at last", die von Hairston vertonten Schlusssätze einer Rede von Matin Luther King aus dem Jahr 1963.

Mit bewegenden Worten dankte Bruno Lichtinger dem Ehrengast des Abends, Frau Dr. Umlauf, für die wertvolle Erfahrung die sie allen Anwesenden vermittelt habe. Dank auch an das Publikum, an das Duo KlangZeit sowie das Ensemble Cantus Gaudium, die als musikalische Dialogpartner das Gesagte vortrefflich ergänzten. Ein besonderer Dank ging an Frau Caroline Lichtinger-von Stein, als Trägerin der künstlerischen Gesamtverantwortung dieses Abends.

Mit "Shalama bayta", Friede sei diesem Haus, einem aramäischen Friedensgruß, nahmen alle im Saal Anwesenden singend Abschied von einander.

Der Chorgemeinschaft Unterpfaffenhofen-Germering als Organisator und Ausrichter dieses Abends ist ein großer Wurf gelungen.

5. November
Cantus Gaudium
Stadthalle
Germering

CGUG

proudly presents

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Die "MNS-Sänger"

Die Chorgemeinschaft Unterpfaffenhofen-Germering hat sich von den derzeitigen Einschränkungen nicht entmutigen lassen, sondern einfach mal ausprobiert, wie Chorsingen Online möglich sein könnte. Viele Chormitglieder haben dafür – selbstverständlich für sich allein zuhause – den jeweiligen Part gelernt, gesungen und aufgenommen, dann die eigene Datei an einen Mitsänger der Gruppe geschickt, der schließlich alle Stimm-Dateien digital übereinander gesetzt und somit das Ganze zu einem vierstimmigen Chorsatz vereint hat.

Da es ein völlig anderes Singen ist, ohne die gewohnte Chorumgebung unterscheiden sich die Aufnahmen von denen, die unter "normalen" Umständen entstanden sind und zeigen die Grenzen in der Digitalisierung der Chorarbeit.

"Möge die Straße"Chorgemeinschaft
00:00 / 01:28
Motivations-Song - Stadtplatz-LaternenC&B
00:00 / 02:50

. . . und hier ein "Gruß der Chorleiterin zusammen

mit ihrem Ehemann"

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Glanzvoller Abschluss eines Chorjahres

 

von Winfried Gessner


Die Pfarrkirche Don Bosco war am 26.12. um 19 Uhr bis zum letzten Platz gefüllt, als mit dem Verklingen des 7. Glocken-schlags die Dirigentin Caroline Lichtinger-von Stein den Taktstock hob und die Chorgemeinschaft Unterpfaffenhofen-Germering „Radujte se narodi“ anstimmte. „Hört den Ruf ihr Völker all“, so beginnt ein Kroatische Weihnachtslied mit dem die Chorgemeinschaft ihr Weihnachtskonzert 2019 eröffnete und die universelle Bedeutung der Weihnachtsbotschaft hervorhob. Deutsche Weihnachtslieder, die Kinder und Erwachsene seit vielen Generationen singen, leiteten über zum polyphonen „Exsultate, justi“ des Renaissance – Komponisten L. Grossi da Viadana, gefolgt von C. Saint-Saens „Ave Verum“. Ist „Exsultate, justi“ von Freude und Lobpreis erfüllt, scheint in „Ave Verum“ über dem Wunder der Menschwerdung Gottes schon das bevorstehende Leiden auf.
Das choreigene Ensemble ATEmZUG greift mit „Verbum Caro“ von R. Dubra, schwebend, leicht und durchlässig vorgetragen, das Wunder der Menschwerdung (Das Wort ist Fleisch geworden, Joh. 1,14) wieder auf und verscheucht mit einem zärtlichen „Dormi, Dormi bel bambin“ jeden Gedanken an Leid und Tod. Die Mutter Maria, berichten die Legenden, soll mit diesem Wiegenlied den Jesusknaben in den Schlaf gesungen haben – und Engel haben es komponiert, möchte man ergänzen.
Bruno Lichtinger, der den Konzertabend in gewohnt souveräner Manier moderierte, entzückte sein Publikum mit einer herzerwärmenden Weihnachtsgeschichte, gefolgt von einer Kammermusikdarbietung der Familie Baumann, ein „Allegro“ von J. Haydn. Das heitere, fröhliche von Haydns „Allegro“ setzte der Chor mit Mendelssohn-Bartholdys „Jauchzet dem Herrn“ fort um mit Bachs „Jesus bleibet meine Freude“, gefühlvoll begleitet vom Streichquartett der Familie Baumann, der weihnachtlichen Freude mit der barocken Religiosität J.S. Bachs Ausdruck zu verleihen. John Rutters „Candlelight Carol“, das die Liebe der Mutter Maria zu ihrem neugeborenen Sohn Jesus und die Freude der Engelschöre besingt, wurde mit Unterstützung des Streichquartetts zu einer der Höhepunkte des Abends.
Für humorvolle Abwechslung sorgte wiederum Bruno Lichtinger, dieses Mal mit einer launigen, in bayerischer Mundart vorgetragenen Weihnachtsgeschichte.
„Ubi caritas“, eine Motette von M. Duruflè, die auf ein Gebet des 8. Jahrhunderts basiert, hiermit setzte der Chor mit breiter Dynamik ergreifend interpretiert das Programm fort. „Wo Liebe ist und Güte, da wohnt Gott“, lautet die Botschaft dieses Chorwerks.
„In the bleak midwinter“, ein Gedicht, vertont von G. Holst, schildert das Weihnachtsgeschehen in frostiger, tief verschneiter Landschaft; in seiner Schlichtheit ein wunderbar emotionales Chorstück. Diese Stimmung griff das ATEmZUG Ensemble mit „C‘etait la veill‘ de Noel“ auf, ein beinahe melancholisches Weihnachtslied aus den Ardennen, das die Umstände der Geburt Jesu und die Verehrung durch die Hirten in einem bäuerlichen Ambiente schildert. Schwungvollen Kontrast dazu bildete das Spiritual „Good News“ mit dem das Ensemble seinen mit viel Beifall bedachten Auftritt beendete. Respekt an das noch recht neue Ensemble der CGUG, von dem künftig sicher noch Einiges zu erwarten sein wird.
Der „Kanon“ des Barockkomponisten J. Pachelbel, vorgetragen vom exzellenten Streichquartett der Familie Baumann und mit viel Beifall bedacht, leitete über zu den Weihnachtsliedklassikern und dem gemeinsamen Schlußlied „O, du fröhliche“. Riesiger Applaus für alle Akteure dieses Abends, der auch nach drei lautstark eingeforderten Zugaben nicht enden wollte, Standing Ovations und Blumen für Caroline Lichtinger-von Stein setzten einen glanzvollen Schlusspunkt.

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Weihnachtsmarkt in Prag am Altstädter Ring: Die Chorgemeinschaft Unterpfaffenhofen-Germering gibt Adventskonzert
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Adventliches Begegnungskonzert mit ROSA Chamber Choir und ENTHEA in St. Nikolaus, Prag: Auftritt der Chorgemeinschaft
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Begegnungskonzert in St. Nikolaus: Auftritt ATEmZUG 
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Prag

 2019

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Chorgemeinschaft Unterpfaffenhofen-Germering: Adventskonzert in St. Nikolaus, Prag

Von Winfried Gessner

Immer beginnt es am Germeringer Volksfestplatz. Ob nach Jerusalem, Istanbul oder Graz, alle Jahre im Advent versammelt sich auf diesem Platz die Chorgemeinschaft Unterpfaffenhofen-Germering zu einer Konzertreise, so auch am 5. Dezember. Prag war das Ziel und auf dem Programm stand ein gemeinsames Adventskonzert mit zwei internationalen Chören in der Kirche St. Nikolaus am Altstädter Ring. Begegnungskonzerte dieser Art sind für die CGUG ein fester Bestandteil eines jeden Chorjahres. Unter Leitung ihrer Dirigentin Caroline Lichtinger-von Stein und des 1. Vorsitzenden Rudi Braunegger reiste die Chorgemeinschaft über Pilsen nach Prag und bezog im Stadtteil Smichov, auch Andel genannt, Quartier. Andel bedeutet Engel – ein gutes Omen für ein Adventskonzert.

Der folgende Tag begann mit einer Besichtigung der Prager Burg und einem Spaziergang zurück über die Altstadt zum Wenzelsplatz.  Auf dem Weihnachtsmarkt am Altstädter Ring traf sich die Chorgemeinschaft  um 18 Uhr zu ihrem ersten Auftritt. Adventliche Chormusik, Alpenländisches und Gospel bestimmten den ersten Teil des Konzerts.  Eine spektakuläre Lichtershow am eindrucksvoll geschmückten großen Weihnachtsbaum und der erste internationale, mit viel Beifall bedachte Auftritt des choreigenen ATEmZUG-Ensembles mit „Good News“ setzten auf dem schon lichterreichen Weihnachtsmarkt ein besonderes Glanzlicht. Nach einem fulminanten „Free at last“ verabschiedete sich der Chor von seinem Publikum mit „Lebet wohl ihr Freunde“ auf Tschechisch vorgetragen, aus Maierhofers „Neigen sich die Stunden“. Der vom ersten bis zum Schlusslied sich ständig steigernde Applaus des Publikums war überwältigend. Den spendierten Glühwein danach hatten sich die Sängerinnen und Sänger redlich verdient.  

Nach dem Abendessen trafen sich, ungeplant, ENTHEA, der slowakische Chor des Begegnungskonzertes und die Chorgemeinschaft an der Hotelbar zum spontanen, gemeinsamen Singen. ENTHEA, von Enthusiasmus abgeleitet, machte seinen Namen alle Ehre. Sprachbarrieren und fehlende gemeinsame Proben wurden zur Freude der Hotelgäste singend überwunden. Der tschechische Dichter Bohumil Hrabal drückt es so aus: „Das Leben ist schön, zum Verrücktwerden schön. Nicht, dass es das wäre, aber ich sehe es so.“ Begegnungen im Gesang sind doch vor allem Begegnungen von Herzen zu Herzen.

Am Morgen des dritten Tages spazierte der Chor über die Karlsbrücke, eine in Stein gehauene Geschichte tschechischer Religiosität, zur Altstadt. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des gemeinsamen Adventskonzerts mit einem Chor aus Tschechien und aus der Slowakei. Gegen 14 Uhr versammelten sich die Chöre zur Stellprobe in der Barockkirche St. Nikolaus am Altstäder Ring, erbaut von K.I. Dientzenhofer, einem Baumeister mit oberbayerischen Wurzeln. Das Begegnungskonzert in diesem Schmuckstück des Prager Barocks mit dem „ROSA Chamber Choir“ und dem „Vokalny zbor Enthea“ bildete den Höhepunkt dieser Konzertreise.

Der gemischte Kammerchor ROSA, gegründet 1970 in Roztoky, eröffnete unter dem Dirigat von Radek Salsa das Konzert mit einem „Alleluia“ von Gordon Young, gefolgt von Vaclav Ptaceks „Ave Maria“. Die Werke westlicher Komponisten (Moore, Thompson, Durufle) im Wechsel mit Kompositionen osteuropäischer Meister (Janacek, Rachmaninov) bestimmten den Konzertablauf. „Alleluia“, „Ave Maria“, „Liebe“ das Thema aller vorgetragenen Werke. Sergej Rachmaninovs „Bogorodice Djevo“, ein inniges „Ave Maria“ und den Reim aus Janaceks „Láska opradivá“ (Wahre Liebe) „Wahrer Liebe Wohnung kann im Munde nicht sein, wahre Liebe wohnt im stillen Herzen allein“ , wünscht man für immer im Gedächtnis zu behalten.

Die Chorgemeinschaft setzte auch in diesem Konzert auf eine Mischung klassischer und moderner geistlicher Kompositionen, ergänzt durch Gospeln und alpenländischem Chorgesang.

Mit J.S. Bachs „Wachet auf“, eröffnete die Chorgemeinschaft ihren Auftritt und setzte mit Klassikern adventlicher Chormusik das Konzert fort. Moderne Kompositionen  von K. Nystedt, M. Duruflè und L. Halmos ergänzten die zu Beginn gehörten Adventsklassiker. Ein Jodler als Gruß aus der bayerischen Heimat leitete über zum Auftritt des ATEmZUG-Ensembles. Ein gefühlvoll vorgetragenes Wiegenlied „Dormi, dormi, bel bambin“ zauberte Weihnachtsfreude in St. Nikolaus und passend dazu  das Gospel „Good News“. Nach einem gelungenen Debüt beim Weihnachtskonzert 2018 überzeugte das Ensemble auch in Prag. Mit den Gospeln „Uyingcwele Baba und „Free at last“, beschloss die Chorgemeinschaft ihren, mit viel Beifall bedachten Konzertbeitrag.

Vokalny zbor ENTHEA, neun Frauen, dirigiert von Miroslava Valovicova eröffneten ihren Auftritt mit „Carol of the Bells“, usprünglich ein ukrainisches Volkslied, das heute in allen Genres von Klassik bis Rock interpretiert wird. Es folgten Kompositionen slowakischer, russischer Künstler, modern interpretiert, zu denen schwungvolle amerikanische Weihnachtslieder perfekt passten. Das Dobru Noc (Gute Nacht) des amerikanischen Komponisten Victor C. Johnson setzte einen stimmungsvollen Schlusspunkt. Mit dem Kanon „Cantate Domino“ verabschiedeten sich die Chöre von ihrem Publikum. 

Chorreisen dienen dem Austausch mit den Menschen des Gastlandes und immer möchte die Chorgemeinschaft auch ein guter Botschafter ihrer Heimat sein, der hofft die Herzen seiner Zuhörer durch Gesang direkt zu erreichen und jenseits aller Konflikte und Vorurteile die Erfahrung zu vermitteln, dass wir alle eins sind. Auch der Chor als Klangkörper erfährt von Reise zu Reise immer deutlicher diese Einheit. Bewährte Zutaten dafür sind: Gemeinsam essen und trinken, gemeinsam lachen und das Wichtigste, gemeinsam singen.

Auf der Rückreise besuchte der Chor die Regensburger Weihnachtsmärkte und beschloss eine rundum gelungene Chorreise im Gasthof Wild in Moosham mit einem ausgiebigen bayerischen Abendessen.

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Chorgemeinschaft Unterpfaffenhofen-Germering - Germeringer Kammerorchester:

Erstes gemeinsames Konzert ein Erfolg

Von Winfried Gessner.  Artikel erschienen in der Bayerischen Sängerzeitung Nr. 7/8, Juli/August 2019


Mit dem Konzert ‚Wege finden – Grenzen überwinden‘ stellten sich die Chorgemeinschaft

Unterpfaffenhofen- Germering und das Germeringer Kammerorchester am 19. Mai im Orlando Saal der Stadthalle ihrem Publikum, eine Veranstaltung im Rahmen der Fürstenfeldbrucker Kulturtage, Motto ‚Unterwegs‘.

‚Angekommen‘ könnte man als Resümee diesen Konzertabend überschreiben, nimmt man den Beifall des Publikums, die Stimmen der Repräsentanten der Stadt Germering und des Landkreises als Maßstab. Doch bis zu den Standing Ovations am Ende des Konzerts galt es für beide Ensembles Wege zu gehen und manche Grenze zu überwinden, ganz im Sinne des Konzertprogramms, das die Suche der Völker, der Menschen nach einem Leben in Freiheit und Würde zum Thema hatte. Das ATEmZUG Ensemble, ein choreigenes Doppelquartett, richtete vor dem eigentlichen Programmbeginn mit einem Chorsatz von Lorenz Maierhofer an das Publikum die Bitte: „Schalt aus dein Handy“ und sorgte für ein vergnügtes Schmunzeln im Saal. (Und es klingelte auch tatsächlich kein einziges Handy während des ganzen Abends!)

Vivaldis „In exitu Israel“ eröffnete das Programm und den langen Marsch durch die Geschichte von Flucht und Vertreibung, musikalisch eindrucksvoll präsentiert von Chor und Orchester, unter der Leitung von Caroline Lichtinger-von Stein. Nach dem Madrigal ‚Gott b‘hüte dich‘ wechselte Lichtinger-von Stein von ihrer angestammten Stelle als Chorleiterin, zum Platz der Orchesterdirigentin Marie-Josefin Melchior, während diese als Violin-Solistin mit ihrem Kammerorchester das Thema aus „Schindlers Liste“ interpretierte. Der gelungene Rollentausch beider Ensemble-Leiterinnen je nach Konzertstück mal Instrumentalistin mal Dirigentin, zeigte beispielhaft das harmonische Zusammenwirken von Chor und Orchester.

Hinter und über allem wirkte souverän Bruno Lichtinger als Moderator der zu den großformatigen Bildern im Hintergrund mit erlesenen Texten Zeugen ihrer Zeit zu Wort kommen ließ und einfühlsam zu den jeweiligen Musikstücken überleitete. Das Thema aus „Schindlers Liste“ mit Marie-Josefin Melchior als Violin Solistin, sowie die von Chor und dem ATEmZUG-Ensemble ergreifend schön vorgetragenen Lieder der im KZ internierten Dichterin und Komponistin Ilse Weber, standen für das dunkle Kapitel der NS-Zeit. Die Hoffnung, die trotz allem in den Liedern Ilse Webers anklang erfüllte sich für sie nicht, sie wurde in Auschwitz ermordet. Dass Musik, entgegen schlimmster Tatsachen, dem menschlichen Bedürfnis zu glauben und zu hoffen entspringt, zeigte auch das Lied „Irgendwo auf der Welt“ der Comedian Harmonist , selbst Verfolgte des NS-Regimes.

 

Der Chor, diesmal begleitet vom Klavierquartett um Walter Erpf, einem ausgesprochenen Experten der Musik der 20er/30er Jahre, setzte mit einer Interpretation zum Dahinschmelzen einen ersten wirklichen Ohrwurm. Lorenz Maierhofers Chorstück‚Grenzen‘, der Refrain : ‚Will überwinden Mauer Zaun und Schranken‘ leitete über in die DDR-Zeit, Flucht trotz tödlicher Grenzen, und betonte, dass die hartnäckigsten Grenzen in unseren Köpfen existieren.

Der 1. Satz aus Ermano Wolf-Ferraris ‚Serenade für Streichorchester Es-Dur‘ erinnerte an den Deutsch-Italienischen Komponisten, der sich dem Faschismus durch Flucht in die Schweiz entzog. ‚Die Gedanken sind frei‘, die Hymne aller in auswegloser Lage, wo nur noch die Flucht nach innen bleibt, führte zum Auftritt der Trommlergruppe des Schlagzeugers Croxi, Jugendliche aus Afrika, Afghanistan und Syrien, vom Publikum mit viel Applaus bedacht und vom Chor mit dem Gospel ‚Free at last‘, passend zu den Worten aus Martin Luther Kings legendärer Rede , von der Bühne verabschiedet.

 

Flucht in andere Welten, Sehnsucht sich zu verlieren, in Märchenwelten, virtuelle Realitäten oder im hektischen Alltag – Stichworte die den zweiten Teil des Konzerts charakterisieren. Richard Wagners ‚Trauersinfonie‘ mit Zitaten König Ludwigs II. zeigten die Melancholie, das Sehnen eines unerfüllten Lebens, die Sucht sich in Traumwelten zu flüchten. Auch Elton Johns ‚Can you feel the love tonight‘ (ATEmZUG Ensemble) singt von der unerfüllten Liebe und träumt von der großen Harmonie aller Lebewesen (the world for once in perfect harmony with all its living things). Zur Flucht in die virtuelle Welt interpretierten Orchester und Chor unter Leitung von Marie Josefin Melchior den Soundtrack zum Smartphone Spiel mit Suchtgefahr: ‚Pokemon Go‘. Sehn-Sucht – der Weg vom Sehnen in die Sucht ist kurz. Den Aktionismus der hektischen Alltagswelt thematisierten H. Genzmers Chorstück ‚Der Kläffer‘ und mit Leroy Andersons Orchesterstück ‚The Typewriter‘. Bruno Lichtinger hier als Solist an der Schreibmaschine!. Arbeit als Flucht vor sich selbst führt eher zum Burnout als zum erfüllten Leben, lautete die Botschaft. Aber mit Anton Profes ‚Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen‘ (Chor + Klavierquartett Erpf), keimte der Traum einer heilen Welt auf, ein Schlager, der beim Publikum fast das Tanzbein jucken ließ.

 

Eine perfekte Überleitung in das letzte Kapitel des Konzertabends ‚Leben in Frieden und Freiheit‘. Mit einer wunderbar heiter bis fröhlichen Sinfonia D-Dur von Johan Joachim Agrell (1. u. 3. Satz) und Andreas Rombergs a Capella Chorsatz ‚Holder Friede‘ setzten Orchester und Chor einen sanften, zuversichtlich heiteren Wendepunkt nach einem langen Weg durch das Labyrinth von Flucht, Vertreibung und Fluchten in andere Welten.

 

Das große Finale mit allen Akteuren des Abends: Beethovens ‚Freude schöner Götterfunken‘ (Chor, Orchester, Trommlergruppe) unter der Stabführung von Marie Josefin Melchior, und Caroline Lichtinger-von Stein dieses Mal an der Pauke gab den fulminanten Programmschluss.

Der langanhaltende Applaus sowie Standing Ovations zeigten, dass Chor und Orchester das Publikum emotional erreichten und an diesem Abend alle zusammen den Weg gemeinsam durchs Labyrinth gegangen sind.

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